Ferienzeit: Nur die Liebe zählt

von admin

Ferienzeit: Nur die Liebe zählt

Der Sommer macht seinem Namen in diesen Tagen alle Ehre. Ich hoffe, Sie können einige erholsame Ferientage geniessen, zur Ruhe kommen und neue Kraft schöpfen. Die Natur zeigt sich aktuell von ihrer schönsten Seite. Und ich als katholischer Pfarrer? Ich stehe in diesen Wochen eigentlich jeden Samstag vor einem Brautpaar. Das gehört zu den schönsten kirchlichen «Nebenwirkungen» des Sommers. Während andere ihre Koffer packen, darf ich miterleben, wie zwei Menschen ihr Herz auspacken und sich vor Gott im Ehe-Sakrament das Ja-Wort schenken.

Wenn ich in die strahlenden Gesichter eines Brautpaares schaue, wird mir immer wieder bewusst, worauf es im Leben wirklich ankommt. Nicht darauf, immer mehr zu besitzen oder immer schneller unterwegs zu sein. Entscheidend ist die Liebe – die Liebe zwischen Menschen und die Liebe Gottes, aus der jede echte Liebe ihre Kraft schöpft. Sie ist das Fundament jeder Ehe, jeder Familie, jeder Freundschaft und letztlich jeder gelingenden Gemeinschaft.

Natürlich weiss jedes Ehepaar: Nach dem Hochzeitsfest beginnt der Alltag. Dann zeigt sich, dass Liebe weit mehr ist als Romantik. Sie wächst durch Geduld, Versöhnung, gegenseitigen Respekt, Vertrauen und – nicht zu vergessen – eine gute Portion Humor. Wer miteinander lachen kann, findet oft auch leichter wieder zueinander. Und wer gemeinsam betet, entdeckt, dass Gott mitten im Alltag mitgeht.

Das gilt nicht nur für Eheleute. Es gilt für uns alle. Unsere Zeit ist geprägt von Terminen, Leistungsdruck und ständiger Erreichbarkeit. Gerade deshalb brauchen wir Erholung. Nicht nur der Körper möchte Ferien machen – auch unsere Seele sehnt sich nach Ruhe.

Jesus selbst hat uns das vorgelebt. Immer wieder zog er sich von den Menschen zurück, suchte die Stille und das Gespräch mit seinem himmlischen Vater. Gerade daraus schöpfte er die Kraft, den Menschen mit Liebe und Herzlichkeit zu begegnen. Vielleicht liegt darin eines der schönsten Geheimnisse christlichen Lebens: Wer Gott Zeit schenkt, gewinnt Zeit für das Wesentliche.

Ferien sind deshalb weit mehr als ein Tapetenwechsel. Sie laden uns ein, auch innerlich anzukommen: bei einem Spaziergang durch die Berge, am See, auf einer Bank mit Aussicht oder beim Gottesdienst in einer unserer schönen Kirchen. Dort spüren wir neu: Ich muss nicht alles alleine schaffen. Ich darf vertrauen. Gott trägt mein Leben.

Dieses Vertrauen macht frei. Denn der Mensch ist weit mehr als das, was er leistet, verdient oder konsumiert. Er ist kein Produkt seiner Arbeit, sondern ein geliebtes Kind Gottes. Er besitzt eine Seele, und diese Seele ist auf Ewigkeit hin geschaffen.

Umso erfreulicher ist es, dass gerade junge Menschen den Glauben wieder neu entdecken. Besonders in Frankreich wächst das Interesse an der katholischen Kirche enorm. Papst Leo XIV. wird sich bei seinem Frankreichbesuch im September ein eigenes Bild davon machen können. Und auch bei uns in Davos erleben wir junge Erwachsene, die vermehrt nach Sinn, Wahrheit und Tiefgang suchen. Das macht Mut. Vielleicht ist jetzt für machen «ermüdeten» Christen unserer Tage die Zeit gekommen, den eigenen christlichen Glauben wieder etwas sichtbarer und selbstbewusster zu leben – nicht laut oder aufdringlich, sondern glaubwürdig, freudig und mit einem offenen Herzen.

Der Sommer lädt uns ein, zur ersten Liebe zurückzukehren: zur Liebe Gottes und zur Liebe der Menschen. Beides gehört untrennbar zusammen. Wer sich von Gott geliebt weiss, kann leichter vergeben, hoffnungsvoller leben und anderen mit mehr Herzlichkeit begegnen.

So wünsche ich allen Ehepaaren, dass ihre Liebe mit den Jahren wächst und reift. Den Familien wünsche ich Zusammenhalt, den Kindern fröhliche Ferientage, den Jugendlichen Zuversicht für ihren Weg, den Kranken Gesundheit und Trost, den Einsamen gute Begegnungen und den Trauernden die Hoffnung, dass Gottes Liebe stärker ist als der Tod.

Und uns allen wünsche ich, dass wir in diesem Sommer nicht nur den Akku unseres Handys laden, sondern vor allem den unserer Seele. Gott macht keine Ferien. Er geht mit uns – auf allen Wegen, an jedem Tag und durch jede Jahreszeit.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sommer voller Liebe, Vertrauen und jener tiefen Freude, die Gott allein schenken kann.

Dekan Pfr. Kurt B. Susak, Katholische Kirche Davos

Das frisch vermählte Davoser Ehepaar Ylena Dicht und Dominic Weder nach der Hochzeitsmesse am vergangenen Samstag. (Vielen Dank für die Genehmigung zur Veröffentlichung

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